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„Bilder zu malen ist eine Methode, am Leben fest- und die Zeit anzuhalten. Und insbesondere Menschen zu malen ist eine Methode, an ihnen festzuhalten und sie ewig leben zu lassen.“ (Elizabeth Peyton)

Seit 2003 arbeitet Janina Christine Brügel (1983 in Nürnberg geboren) kontinuierlich an ihren Menschenbildern, immer von einem spezifischen Thema (geschichtlich, gesellschaftskritisch) oder Text (lyrisch, literarisch) angetrieben, verknüpft sie in ihren Bildern die Geschichte mit der Gegenwart, die Lyrik mit der Malerei.

Bisher gibt es drei in sich geschlossene Werk-Zyklen:

„Good Day“ thematisiert ihre eigene Familiengeschichte, setzt ein Statement gegen die nicht zu bewältigende Bilderflut des digitalen Zeitalters und feiert die „alte“ analoge Fotografie.

In „Menschen bei Nacht“ interpretiert Janina Brügel Rainer Maria Rilkes gleichnamiges Gedicht Vers für Vers bzw. Zeile für Zeile in ihrer Bildsprache und setzt sich dabei mit Rilkes Menschenbild auseinander.

„Kaspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“ zeigt Portraits der Menschen, die Kaspar Hausers Leben entscheidend prägten. Die Charakterstudien entstehen nach einem akribischen Text-Studium (originale Zeugenaussagen, Statements und Briefe der Portraitieren selbst, wissenschaftliche Abhandlungen und Jakob Wassermanns Roman „Kaspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“).

 

Unterscheiden sich die einzelnen Bilder-Reihen in ihrer Thematik, so haben sie eines gemeinsam: Die Fokussierung auf den Menschen. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen ist der Mensch schwer berechenbar: von Instinkten geleitet und gleichzeitig vernunftbegabt, empfindsam, zu abstraktem Denken fähig und mit Moral ausgestattet, befindet er sich in einem Zwiespalt, den er nicht auflösen kann: er meint, sein Leben zu gestalten und zu kontrollieren, was so lange gelingt, bis das Schicksal dazwischenfunkt und sein fragiles Lebenskonstrukt einstürzen lässt. Dieser Gegensatz aus menschlicher Schicksalsabhängigkeit auf der einen und vordergründiger Entscheidungsfreiheit/Gestaltungsfreiheit auf der anderen Seite ist einzigartig und macht den Menschen so einzigartig und faszinierend.

Janina Brügels Arbeiten zeigen den Menschen in seiner Komplexität und Vielschichtigkeit und führen vor Augen, wie trügerisch jegliche oberflächliche Betrachtung sein kann: Farben, leuchtend wie der Regenbogen, grelle Muster an der Grenze zur Geschmacklosigkeit und dekorative Kompositionen, lassen zunächst eine naive Heiterkeit und ungetrübten Frohsinn vermuten. Beim genaueren Betrachten der Szenen blättert der bunte Anstrich ab und nackte Menschenseelen liegen offen und schutzlos zu Füßen des Betrachters. Die Menschen auf den Bildern sind lebendig, atmen und fühlen, lieben und leiden, sind glücklich oder vom Leben enttäuscht. Die Darstellungen sind eindringlich und echt und offenbaren ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und psychologischem Scharfsinn.

Beide Qualitäten lassen erahnen, dass Janina Brügel nicht nur Malerin ist, sondern auch Ärztin: Enge Beziehungen zu und Verantwortung für das Leben von Menschen, die sich in einer absoluten Ausnahmesituation befinden, die das Gefühl des Kontrollverlustes und des Ausgeliefertseins erleben, diese Menschen schärfen ihren Blick und lassen sie ihre innersten Bedürfnisse und Abgründe sehen und verstärken ihre seelische Verbundenheit mit ihren Mitmenschen.

Menschen und Malerei, Körper und Kunst, Authentizität und Künstlichkeit, Gemälde und Gedicht, Darstellung und Abstraktion, Realismus und Expressionismus, Geschichte und Gegenwart, psychologischer Scharfsinn und Intuition verschmelzen in ihren Arbeiten zu einer starken Einheit, die den Ausdruck feiert, die Farbe verschwendet und alle Sinne berührt – es lebe die Menschlichkeit!

C V

Geboren 1983 in Nürnberg, wo sie nach längeren Aufenthalten in Cambridge und Barcelona wieder lebt und arbeitet.

Humanmedizin-Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, Abschluss 2009 mit dem zweiten Staatsexamen.

Zeitgleich Gaststudium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

 

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